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Podium © FORUM Umweltbildung/Streissler

Nachhaltig leben – Zukunft geben!

Am Montag, 26.11. 2018 um 15:30 Uhr war es soweit. Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems, Standort Strebersdorf, öffnete ihre Türen für die dritte und letzte Future Lecture 2018, die passend zu einem thematischen Schwerpunkt der PH unter dem Titel „Nachhaltig leben – Zukunft geben! Vermittlung christlicher Werte und notwendiger Kompetenzen für die nachhaltige Entwicklung unserer Welt“ stand.

Musikalische Eröffnung

Eröffnet wurde die Veranstaltung stimmungsvoll von einem Kinderchor der zur PH gehörigen Praxisvolksschule, die mit selbst gemalten Bildern das Lied „Leben lernen“ illustrierten. Nach einer Begrüßung von Dr. Gabriele Hösch-Schagar nahm der Vizerektor der Hochschule, Dr. Andreas Weißenbäck, die offizielle Eröffnung vor. Er beschrieb, dass der Nachhaltigkeitsbegriff aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts käme und skizzierte, wie sich der Begriff bis zur Enzyklika des Papstes „Laudato si“ aus dem Jahr 2015 wandelte. Heute wird darunter eine Entwicklung verstanden, in der Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in Balance sind. Die große Aufgabe der Pädagogischen Hochschule sei es, die Lehrkräfte von morgen auszubilden. Diese müssten die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung kennen, um als MultiplikatorInnen in den Bildungseinrichtungen wirken zu können. Dr. Anna Streissler vom FORUM Umweltbildung stellte in Vertretung von Auftraggeber Dr. Peter Iwaniewicz die 3. Future Lecture in einen größeren historischen Rahmen und erläuterte die Patronanz durch Prof. Dennis Meadows. Als thematischer Einstieg ins Thema „Nachhaltig leben – Zukunft geben“ wurde das Publikum, bestehend aus Studierenden und Lehrenden der Hochschule sowie interessierten PädagogInnen im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung, in einer Mentimeter-Umfrage zu ihren Assoziationen zu Nachhaltigkeit und ihrer Einschätzung, ob sie einen nachhaltigen Lebensstil leben, befragt. Über 100 Antworten ergaben zusammen ein vielfältiges, buntes Bild. Bezüglich des eigenen nachhaltigen Lebensstils beurteilten die Beteiligten ihren eigenen Beitrag durchaus kritisch mit einigen zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten. 

Podiumsdiskussion

An der darauffolgenden Podiumsdiskussion nahmen Ministerialrat Mag. Manfred Wirtitsch (Bundeministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung), Mag. Dr. Thomas Haase (für das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), MMag. Bernhard Schörkhuber (Theologe, Religionspädagoge und Lehrender an der KPH Wien/Krems, Dr. Ingrid Schwarz (Regionalstellenleiterin von Südwind NÖ/Süd und Lehrende an der KPH) sowie Maddalena Goeth (Studierende an der KPH Wien/Krems) teil. Mag. Barbara Coudenhove-Kalergi (Industriellenvereinigung) war leider kurzfristig verhindert. Moderiert wurde die Diskussion durch den KPH-Studierenden Joseph Potyka. Ministerialrat Wirtitsch eröffnete die Diskussion mit dem Statement, dass nachhaltige Entwicklung zukunftsfähige Entwicklung bedeute. Das Schul- und Bildungssystem sei wie ein riesengroßer Tanker, der nur langsam seine Richtung ändere. Positiv erwähnte er, dass im aktuellen Handbuch zur Curricularentwicklung BNE ein wesentliches Beispiel sei, das daher in viele Curricula mit eingeflossen sei. Dr. Thomas Haase betonte, dass Nachhaltigkeit nur bedingt von der Politik verordnet werden könne. Österreich stehe in einigen Bereichen wie der Stromversorgung oder der Trinkwasserversorgung gut da, in einigen wesentlichen Bereichen wie der CO2-Reduktion oder der Bereitstellung von Lebensmitteln bestehe jedoch erheblicher Verbesserungsbedarf. Hier müsse die Bevölkerung besser sensibilisiert werden. 

MMag. Bernhard Schörkhuber bezog sich in seinen Ausführungen v.a. auf die Enzyklika „Laudato si!“ von Papst Franziskus. Dort werde ein Dreischritt aus Sehen-Urteilen-Handeln propagiert. Es ginge nicht nur darum, die jetzige Situation zu beklagen, auch nicht nur um Reue und Umkehr, sondern auch ums Feiern von Erreichtem! In der Enzyklika würden die Verantwortung für Umwelt und soziale Frage im Sinne des Heiligen Franziskus miteinander korreliert. Daraus hätte die Österreichische Bischofskonferenz drei Schritte abgeleitet: Nachhaltigkeitsleitlinien, Hilfe bei der Umsetzung der nötigen Energiewende sowie eine ökosoziale Beschaffungsordnung (nicht Billigst- sondern Bestbieter). In der Erzdiözese Wien gebe es 12 Laudato si-Pfarren, die sich besonders auf diese Enzyklika berufen und sie umzusetzen versuchen sowie die ökumenische Aktion des Autofastens. Dr. Ingrid Schwarz stellte die Frage: „Wie können wir Kinder für nachhaltiges Handeln sensibilisieren?“ Um das zu beantworten, müsse man sich im Klaren sein, wo man eigentlich hinwolle und was das häufig beschworene „Gute Leben für alle“ bedeute? Wer sind VerliererInnen, wer GewinnerInnen? Der Referenzrahmen für sie seien die Menschenrechte und seit 2015 die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Die SDGs seien ab der Primarstufe gut zu kommunizieren, v.a. im Sachunterricht hätten Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen einen wesentlichen Platz. Aber die SDGs und BNE seien genauso auch im Schulleitbild zu integrieren und könnten und sollten auch in Gemeinden, Städten und Pfarren umgesetzt werden. Die Studierende Maddalena Goeth warf einen kritischen Blick auf ihre eigene Ausbildung an der KPH. Nachhaltigkeit in der Lehre sei vorgekommen, da Schulnetzwerke wie ÖKOLOG und Pilgrim vorgestellt wurden und auch die SDGs durchbesprochen wurden. Ihrer Meinung nach hätte das Thema aber eine umfassendere Behandlung verdient. Im Zuge der Veranstaltung verkündete Dr. Hösch-Schagar später, dass es ab dem Sommersemester 2019 auch explizit eine Lehrveranstaltung zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung geben werde. Nach einer angeregten Diskussion, in der es u.a. darum ging, wie sehr die Politik mit Geboten und Verboten steuern solle und wie viel Freiwilligkeit (z.B. vom Handel) erwartet werden könne, einigte sich das Podium darauf: Vernetzung sei wichtig, um einander gegenseitig zu stärken. Außerdem falle die Zwischenbilanz gemischt aus: „Wir sind gut unterwegs, aber wir müssen uns alle noch weiterentwickeln“. Weder der „erhobene Zeigefinger“ noch Dogmatisierung brächten uns weiter.

Rahmenprogramm

Eine Fülle an didaktischen Materialien, Informationen und Alltagsbeispielen für einen nachhaltigen Lebensstil (z.B. zu „Zero Waste“), einen Bücherflohmarkt und eine Kleidertauschbörse bildeten die interaktive Ausstellung und den Markt der Möglichkeiten und stießen auf große Resonanz der BesucherInnen. Die Moderatoren Simon Dichler und Christoph Liebhart zogen Resümee der Veranstaltung und leiteten über zur Vernetzung beim Buffet. Den offiziellen Abschluss machte Musiker Reinhard Pock mit dem thematisch passenden, humoristischen Song „Esst mehr Insekten“. Eine gelungene Veranstaltung zu Möglichkeiten und Grenzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen im Einklang mit christlichen Werten ging damit zu Ende, organisiert und durchgeführt von einem engagierten Team von Studierenden und Lehrenden. Besonders erfreulich ist, dass die Veranstaltung einen Impuls zur verstärkten Verankerung des Themas an der KPH setzen konnte.

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