FUTURE LECTURE Auftakt an der TU Wien

© Pühringer / FORUM Umweltbildung
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Die FUTURE LECTURES 2014 starteten am Freitag, den 7. November mit der Auftaktveranstaltung an der TU Wien. Rund 80 TeilnehmerInnen diskutierten im bis auf den letzten Platz gefüllten  mobilen Stadtlabor über ihren persönlichen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit. Inspiriert wurden sie dabei von Kurzinputs aus Wissenschaft und Praxis. 

Die TU Wien lud in diesem Jahr als erste Universität Nachhaltigkeitsinteressierte zur ihrer FUTURE LECTURE ein. „Vom ich zur Stadt. Nachhaltig? Für wen? Warum?“, war zugleich Titel als auch der Leitfaden, der durch den Abend führte.
Das interaktive Veranstaltungsdesign der TU Wien, zeichnete sich durch drei angeleitete Gesprächsrunden aus, in denen sich die TeilnehmerInnen in Kleingruppen austauschten und ihre Gedanken und Gesprächsinhalte auf Tischdecken aus Papier festhielten.
In der ersten Gesprächsrunde beschäftigten sich die TeilnehmerInnen mit dem ICH und der Frage „Was beutet Nachhaltigkeit für mich selbst?“ Anschließend wurde in den Gruppen zum Thema STADT die Frage  „Ist Nachhaltigkeit von allen für alle?“diskutiert, bevor eine dritte Runde die Inhalte der vorherigen Diskussionen zusammenführte und mit den Fragen „Was kann ein individueller Antrieb sein, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und was kann gemeinsam getan werden?“ einlud, die behandelte Thematik in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Über Twitter wurden die Fragen der Diskussionsrunde mit einem Beamer dem Publikum übermittelt. So konnten sich auch nicht anwesende Personen mit Fragen und Kommentaren an der Diskussion beteiligen.

„Ich bin mit dem Rad gekommen“

© Pühringer / FORUM Umweltbildung
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Peter Iwaniewicz vom BMLFUW eröffnete die FUTUE LECTURE mit persönlichen Worten über seine Motivation, im Bereich Nachhaltigkeit beruflich wie privat tätig zu sein. Nachhaltig zu sein bedeutet für ihn nicht, in völligem Verzicht zu leben. Seiner Einschätzung zufolge kann jeder und jede einen Beitrag leisten; zum Beispiel in der Stadt mit dem Rad zu fahren.

Nachhaltigkeit?

Die erste Runde wurde mit einem Film eingeleitet, in dem Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu ihrem persönlichen Zugang zur Nachhaltigkeit interviewt wurden. Die befragten Personen kamen zu gänzlich unterschiedlichen Ansichten, was für sie Nachhaltigkeit bedeutet, wann und wie sie den Begriff verwenden, und was danach kommen könnte.
Die Quintessenz des Ganzen: Alle reden über Nachhaltigkeit und verstehen darunter etwas anderes. Die anschließende Diskussion über den persönlichen Zugang machte Gegensätze und unterschiedliche Standpunkte sichtbar.

Vom ICH zur Stadt

© Pühringer / FORUM Umweltbildung
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Der Weg vom nachhaltigen ICH zur Stadt könne über „SHARING“, also dem Teilen von Ressourcen im urbanen Raum stattfinden, so Petra Hirschler vom Department für Shared Space, die in ihrem Kurzvortrag über „sharing economy“ sprach. „Eine bestmögliche  Auslastung von Objekten kann übers Teilen erreicht werden und in weiterer Folge die Verschwendung von jeglichen Ressourcen verringern.“ Möglichkeiten, sich im urbanen Raum im Sinne der Nachhaltigkeit zu vernetzen, gäbe es viele, so Hirschler. So ist beispielsweise die österreichische Sharing Economy-Landschaft stetig am Wachsen.

Auch in Wien erfreuen sich die zahlreichen Angebote an Sharingoptionen, von Carsharing bis Wohnungssharing bis hin zu Coworking-Spaces großer Beliebtheit. Hirschler nennt als Beispiel die zahlreichen „Urban Gardening Projekte“, bei dem öffentlicher Raum gemeinsam genutzt werden kann. Allerding nur dann, wenn die städtischen Gärten für alle zugänglich sind, so wie etwa der Karlsgarten.

Individuelle Nachhaltigkeit oder doch Sozialer Wandel?

Im dritten Teil sprach Kurt Waldhütter vom Verein Foodsharing, über die Problematik der Lebensmittelverschwendung und die daran ansetzende Philosophie der Foodsharing-Idee.
Die Initiative gibt Privatpersonen, Händlern und Produzenten die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel zu tauschen und zu verteilen. Die Lebensmittel werden dabei direkt vom Geschäft abgeholt und anschließend verteilt. Auch gemeinsames Verkochen der geretteten Lebensmittel („Wastecooking“) wird über Foodsharing organisiert.
Das Engagement sei größtenteils durch soziale Gründe motiviert, erklärt Kurt Waldhütter. Jedoch ist soziale Bedürftigkeit keine Voraussetzung um die geretteten Lebensmittel zu beziehen. Vielmehr ist es eine Lebensphilosophie, den Umgang mit produzierten Lebensmitteln zu verändern und Ressourcenverschwendung zu reduzieren.
Der Anblick eines mit Lebensmitteln gefüllten Abfallcontainers brachte ihn zum Entschluss aktiv etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu unternehmen. Die positiven Rückmeldungen der Menschen sind wichtige Beweggründesgründe, die Idee des Foodsharing zu verbreiten und das Netzwerk weiter auszubauen.

Mit Kleinigkeiten Großes bewirken

© Pühringer / FORUM Umweltbildung
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„Ich glaube es ist sehr wichtig, dass wir uns mit Kleinigkeiten zufrieden geben und erkennen, dass wir damit schon etwas verändern können“, so Thomas Motsch, der Obmann von Sea Sheperd Austria, einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das Meer und seine Bewohner zu schützen. In Österreich betreibt die weltweit vernetzte Organisation (auf Grund der geographischen Lage) hauptsächlich Informations- und Aufklärungsarbeit. Obwohl wir keinen Meerzugang haben, ist die Arbeit der Meeresschutzorganisation sehr wichtig, nicht zuletzt weil ein großer Teil des Sauerstoffgehalts der Luft in Österreich den weltweiten Meeren zu verdanken ist.

Nachhaltigkeit braucht Gemeinschaft

In einer gemeinsamen Abschlussdiskussion kam eine Gruppe zum Schluss, dass die Verbindung zwischen den Menschen eine Grundvoraussetzung ist, um füreinander Verantwortung zu übernehmen. Nachhaltigkeit bedeute, einen gemeinsamen Nenner zu finden und auf gemeinsamer Ebene anfangen zu handeln. In der Diskussion kamen einige TeilnehmerInnen zum Schluss, dass „Sharing“ eine Möglichkeit ist, um Anonymität entgegenzuwirken und Menschen wieder näher zusammenzubringen.
Die angeregten Diskussionen wurden später bei einem veganen Buffet von NoMeating intensiv weitergeführt.

FUTURE LECTURES II in Salzburg

© Pühringer / FORUM Umweltbildung
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Die Veranstaltung an der TU Wien war eine gelungene Auftaktveranstaltung der FUTURE LECTURES Trilogie. Zur feierlichen Übergabe überreichten die Studierenden der TU Wien eine leere „Blackbox“ an Pia Anwander vom Uni Team aus Salzburg, wo die nächste FUTURE LECTURE am 25. November stattfinden wird. Stefanie Simic von der TU Wien erklärt: „Nachhaltigkeit ist so ein abstrakter und vielschichter Begriff. Für uns war klar: Die persönliche Perspektive muss da her.“ Um dies zu symbolisieren wurde die „Blackbox“ mit der Aufforderung überreicht, sie mit Inhalten zu füllen, um den Begriff für alle begreifbarer und erlebbarer zu machen.

Die FUTURE LECTURE in Salzburg wird zum Thema "Warum ändert sich nichts?
Nachhaltigkeit effektiv kommunizieren" unter anderem mit Hubert von Goisern stattfinden. Nähere Information und die Anmeldung finden sie auf der FUTURE LECTURES Website.

Mehr Fotos zur ersten FUTURE LECTURE gibts hier.