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© Social Design Studio
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„Wir gehen alle baden!“ Strategien sozialer Nachhaltigkeit

Wie erzählt man die Geschichten sozialer Nachhaltigkeit abseits der bekannten Phrasen? Auf dem Weg des kleinstmöglichen Eingriffs, mit Sinn für die Nuancen der Vielstimmigkeit sozialer Strukturen hat das Team des Social Design Studios der „Angewandten“ am 11. Dezember 2019 eine Antwort auf diese Frage gegeben. Die als „Kabinenritual“ angekündigte Future Lecture im Wiener Amalienbad hat über 120 Teilnehmer*innen einen unerwarteten Perspektivwechsel an einem vertrauten Ort im 10. Wiener Gemeindebezirk eröffnet. 

Über alle Beckenränder hinweg

Mit den Wiener Bädern sind Einrichtungen entstanden, die über Jahrzehnte hinweg Menschen aus unterschiedlichen Bezirken anlocken und zusammenbringen. Sie lassen soziale Nachhaltigkeit entstehen – so die These. Die zentrale Überlegung der Future Lecture Veranstalter war, dass ein nachhaltiges Leben für alle den Erhalt und Ausbau alltäglicher öffentlicher Infrastruktur voraussetzt. Zu einer solchen Infrastruktur des nachhaltigen Miteinanders zählen nicht bloß Leitungen für Wasser, Gas oder Strom, zählen nicht allein öffentliche Verkehrsmittel sondern genauso Theaterfestivals, Ausstellungsangebote, Kinoprogramme oder eben öffentliche Bäder. Kommunale Infrastrukturen wirken als materielle wie immaterielle Ressourcen für unser Wohlbefinden. Über eine gemeinsame Nutzung dieser Ressourcen entsteht tagtäglich „sozialer Mehrwert“, bildet sich „kultureller Überschuss“. Die Infrastrukturen des alltäglichen Lebens sind tendenziell „Gleichmacher“, werden sie doch von allen benötigt und genutzt. Sie ermöglichen die Begegnung und den Austausch der Nutzer*innen und fördern so das Gemeinwohl.

In der Schwimmkathedrale

Die Future Lecture des Social Design Studios der Angewandten machte das Amalienbad für einen Abend zum Beispiel erlebbarer sozialer Nachhaltigkeit. Mit Bedacht auf den alltäglichen Rhythmus der Sauna- und Badegäste, wurden die Treppen der Kassenhalle zur temporären Bühne der eröffnende Worte durch Amelie Schlemmer und Herwig Turk (Social Design Studio der Angewandten), Anna Streissler (FORUM Umweltbildung) und Dennis Meadows (Videobotschaft). Um sich unauffällig unter die Badbesucher*innen mischen zu können, wurden die TeilnehmerInnen in den Umkleidekabinen mit Funkkopfhörern und Handtüchern ausgestattet. Vom dauerhaft gesperrten 10-Meter-Turm wurde der lokale Funk ausgestrahlt, der die Aufzeichnungen von Gesprächen mit Bade- und Saunagästen, BademeisterInnen, Synchronschwimmer*innen, Wissenschaftler*innen und Verantwortlichen der Wiener Bäder auf die Kopfhörer der durchs Bad strömenden Teilnehmer*innen brachte. Die ca. 45 minütige Tonspur präsentierte die soziale Nachhaltigkeit des eindrucksvollen Hallenbads entlang von Themen wie Gesundheit, Hygiene, soziale Durchmischung, Entspannung, Ermächtigung und Inklusion. 

„Wenn die Kleider weg sind, gibt’s nur Leut“

Zitate aus den Gesprächen waren auf den für diesen Abend ausgeteilten Badetüchern zu lesen. Am Beckenrand auf ihnen sitzend, der Tonspur im Kopfhörer lauschend, folgten die Augen der Besucher*innen den Bewegungen der SynchronschwimmerInnen der Schwimmunion Wien. Wie jeder gute Badbesuch endet auch dieser – und so der Future Lectures Zyklus 2019 – am Badbuffet der „Schwimmkathedrale“ Amalienbad. Das Spezialmenü für die Teilnehmer*innen: handgeschnittene Pommes mit selbstgemachtem Ketchup. Ein abschließender Beleg für das öffentliche Bad als eine bisweilen unterschätzte und dabei so vielschichtig produktive Ressource sozialer Nachhaltigkeit.

Team des Social Design Studios der Angewandten: Amelie Schlemmer, Alberta Sinani, Fabian Ritzi, Martin Färber, Herwig Turk

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